Mit ‘sentimentalität’ verschlagwortete Einträge

sharkey (sounds like thunder)

Samstag, 12. September 2009

was waren das noch für zeiten, als autos noch namen hatten. dieses hier hieß

Sharkey

und leider währte sein leben zu kurz, bis ein geplatzter motor uns für immer voneinander schied. nach sharkey gab es nur noch einen wagen, der jemals wieder einen namen hatte: ein blauer ford focus turnier, der zwanzig jahre später auf den namen „diese scheißkarre“ hörte, bis auch hier das – dieses mal wenig gedeihliche – zusammensein nach allen möglichen querelen ebenfalls ein rasches ende nahm.

nächste quizfrage: wohin waren diese drei tapferen recken (und reckinnen) und ihr fahrer und fotograf wohl unterwegs? und was geschah am ende dieses denkwürdigen tages? zu gewinnen gibt’s… mindestens eine schnellere antwort auf diese frage – und eine träne im knopfloch. oder so.

auf die ohren:

was ich heute eigentlich hatte tun wollen oder: die sinnlosigkeit von remakes

Freitag, 19. Dezember 2008

ziemlich genau vor zwanzig jahren stieg eine riesenparty im domkeller, der damals noch mein lieblingsaufenthaltsort war – es war die größte party, die ich jemals geschmissen habe, wobei ich selbstkritischerweise anmerken muss, dass vermutlich viele von der aussicht auf freibier angelockt waren. but however. der deckel betrug ein paar hundert mark, dafür waren meine getränke frei.

lange zeit hatte ich mir überlegt, ob ich mich nicht an ein remake wagen sollte, den sentimentalen overkill sozusagen. dazu hätte ich mich in den domkeller gesetzt und zuvor allen menschen, die durch mein leben gestapft sind, eine karte geschrieben und sie eingeladen. doch damit fing es schon an: wirklich allen? oder gibt es nicht vielleicht doch ein, zwei lück, auf deren anwesenheit ich nicht allzu großen wert lege (und ein, zwei weitere, die jede äußerung von mir als affront auffassen würden)? außerdem: was würde es mir bringen, den schorf alter wunden wieder aufzukratzen? nee, das muss nicht sein, also habe ich diese idee wieder begraben.

stattdessen gehen die feierlichkeiten ihren gewohnten gang: heute, zwar verfrüht, aber dennoch wie gewohnt das frühstück mit meinen kollegen, die sicherlich nicht meine welt und meiner meinung sind, mit denen ich aber dennoch in den vergangenen zehn jahren zwangsläufig verdammt viel zeit verbracht habe. heute abend weihnachtsfeiert mein ortsverein, also die lück, die mir in der letzten zeit zwar auch selten freude gemacht, die aber einen guten teil meiner freizeit mit mir verbracht haben – und wenn die feier lang genug dauert, dann rutschen wir halt in meinen geburtstag hinein. alles andere, und damit auch geisterfeiern im domkeller, wären sentimentalitäten, die ich mir im geiste gönnen kann, aber nicht umsetzen sollte. ävver, leeve lück, ich weed hück avond ‘n kölsch op üsch drenke (und eine träne ins knopfloch stecken). versprochen.

mein lieblingsblogger hat alles wieder viel schöner gefasst (siehe „krümmung“) als ich, was ich mit einem lächeln und mit tränen in den augen quittiere. und trotz dass wir uns mal fragen könnten, wie nah wir uns überhaupt jemals gestanden haben, und ich mich entsinne, dass ich ihn in den vergangenen zwanzig jahren nur ein einziges mal besucht habe (1992 im herbst war das, als ich diese stadt, die zwar nur halb so groß wie der chicagoer zentralfriedhof, aber doppelt so tot ist, wieder gegen aachen eingetauscht hatte), finde ich bemerkenswert, dass einige entwicklungen vergleichbar verlaufen sind: denn die sinnlosigkeit von kilometerlangen fahrten zwecks fluchthilfe und der nachfolgenden komplettverbarikadierungen hat mich vor dreizehn jahren aus aachen vertrieben (auch wenn es dann noch jahre dauerte, um ein verhalten, dass ein ehemals guter freund kürzlich als „fürchterlich retro“ bezeichnete, abzuschütteln). und auch ich konnte mir mein dasein nicht durch wohltemperierte fläschchen und vollgeschissene windeln versinnlichen, und am ende wollte ich es auch nicht. allein deswegen, alter, sollten wir am engk doch noch ein bierchen trinken gehen, und wenn schon nicht auf alte zeiten, dann doch vielleicht mit einem gealterten blick auf das hier und jetzt.

die letzten wochen habe ich mir hier eine ausschweifende rückschau gegönnt, die hauptsächlich dem geschuldet ist, dass die seiten gefüllt sein wollen. im wirklichen leben gibt es (glücklicherweise) eine zu große persönliche, personelle und örtliche zäsur, als dass ich großartig gelegenheit hätte, an alkoholseeligen abenden in ein „weißt du noch“ abzugleiten. ebenso glücklicherweise gab mir mal jemand hilfestellung darin, meine geschichte(n) zu akzeptieren – und damit loslassen zu können. denn das, was ich am meisten bedauere, ist die zeit, die dafür draufgegangen ist, dingen hinterherzutrauern, die nicht mehr zu ändern waren. jetzt muss es mir *nur noch* gelingen, nach vorne zu schauen und pläne zu schmieden, und wer weiß? vielleicht nimmt das ein oder andere, lang vor mir her geschobene dann doch noch gestalt an.

noch ein tag.

dankeschön 10: meinem spiegelbild, weil es mir nach, trotz und wegen allem noch immer in die augen sehen kann.

genug gedankt.

auf die ohren:

last night
i took a walk into the back of my mind
through the trash and the warning signs
there was a party full of jokes and cliches
i couldn’t think of anything to say…

übrigens gibt’s immer wieder menschen, die unvorteilhaft altern…

kein best of

Montag, 15. Dezember 2008

nur eine auflistung:

alkmaar (ich habe noch nie den käsemarkt gesehen), amsterdam (immer wieder auf der rückfahrt vom meer), antwerpen (viel zu kurz bei schlechtem wetter), avignon (warum habe ich den papstpalast ausgelassen?), barcelona (beim zweiten mal verschoben wir alles auf’s dritte mal, das dann nicht stattfand), berlin (von einem ende der innenstadt zum anderen ist es weiter als vom frankenberger viertel zum rover), brügge (man kann auch im regen spaß haben), brüssel (warum war ich nicht im comicmuseum?), budapest (zum ersten mal palatschinken), caen (gigantisches „friedens“museum), cadiz (hässlichste zufahrt), chefchaouen (leider, leider – da gibt’s ‘ne reisewarnung, aber an osman’s geschenke denke ich gerne… no paranoia!), delft (der blick meiner mutter, nachdem sie sah, was eine kleinste vase echt delfter porzellans so kostet), fes (lustiges bäumchen-wechsel-dich im kleinsten cafe), florenz („ich wollte drei bällchen eis! ich wollte nicht den laden kaufen!“), genua (vielleicht mehr flair mit mehr zeit – und vielleicht sollte man die hochstraße sprengen), gent (grachtenfahrt en miniature), gibraltar (felsen, affen und alle bilddateien verbummelt), granada (nee, ne? wir waren wirklich nicht in der alhambra?), hamburg (lustig ist, wenn man abends nach hause kommt und merkt, dass man ein hotel in st. georg hat), jerez (sherryprobe im kühlen und dann hinaus in’s warme ist immer lustig!), lissabon (ich *liebe* diese stadt – und zwar seit dudu…), lübeck (schönster weihnachtsmarkt), maastricht (ach ja…), marrakech (mit dem olivenhändler, der sich weigerte, mir etwas zu verkaufen), meknes („c’est de berber, ce n’est pas pour vous!“), monte carlo (flugshow und karneval), nimes (zu grau, gibt’s sicher auch bei besserem wetter), nizza (wozu fotos?), orange (einmal ein konzert im amphitheater!), paris (bin zu lange nicht dort gewesen), porto („for the lascht time: tresch porto!“ & broccolipizza), prag (wenn man den altstädter ring links liegen lässt), rom (sonntags hat das vatikanische museum geschlossen, geschlossen, geschlossen!), sevilla (auch disneyland macht spaß), tavira (wohl besser nur in gedanken – vielleicht gibt’s ja jetzt eine brücke!), toledo (einen tag zu früh nach hause gefahren), wien (wie gut es ist, sich im museum zu vertun), zagora (weil kurz dahinter die welt zu ende ist).

da würde ich gerne wieder hin.

noch fünf tage.

dankeschön 8: s.g., w.g., m.e., j.p., s.s., e.p., d.l., n.d., g.v., p.f. und insbesondere und mit fanfare: s.j. für’s mitreisen!

auf die ohren:

more best of…

Freitag, 12. Dezember 2008

weil’s so schön ist…

die zehn alben für die einsame insel:

king crimson – islands
miles davis – get up with it
radiohead – kid a
smashing pumpkins – mellon collie and the infinite sadness (vinyl – die cd-fassung macht keinen sinn)
david byrne/brian eno – my life in a bush of ghosts
genesis – live
david sylvian – gone to earth
soft machine – volume 2
the who – quadrophenia
blur – think tank

zehn stücke, die sich nicht totnudeln:

kevin ayers – decadence (marlene)
radiohead – subterranean homesick alien
tin drum – pow! pow! pow!
genesis – watcher of the skies (live)
talking heads – the great curve
adrian belew – 1967 ;-) (kleiner insider)
klaus schulze – sense
soft machine – as long as he lies perfectly still
smashing pumpkins – to sheila
nits – ivory boy

für wenn’s mal ganz schlimm kommt:

king crimson – requiem

noch acht tage.

frage 6: wieviel von den 15.000 stücken sind es wirklich wert? mehr als zehn?

dankeschön 7: m.“s“.s. und w.b. für’s versauen meines musikgeschmacks.

auf die ohren:

…und weil manchmal so richtig geil ist, was man auf youtube findet:

bobby wyatt hätte seinen spaß, glaube ich!

best of…

Donnerstag, 11. Dezember 2008

wenn man schon zurückblickt – auf’s jahr oder auf die vergangenen jahrzehnte -, dann ist’s zeit für diese berühmten best-of-listen, die keiner braucht. aus willkommenem anlass hier die ersten von meinen:

die zehn besten konzerte

1. peter gabriel, sporthalle köln, 1986 (?)

richtig – die kölner sporthalle! ging es nur mir so, oder war diese (längst wegen der norderweiterung der messe abgerissene) halle einfach nur genial? wie auch immer: gabriel war’s, und nebenher war er auf dem zenit seines erfolgs. gänsehaut bei hier kommt die flut und beim stagedive bei lay your hands on me. ich war danach nie wieder bei einem gabriel-konzert.

2. genesis, westfalenhalle dortmund, 1986 (?)

heute könnte man sich wegen einer schwäche für diese phil collins-geleitet geriatrie-combo durchaus schämen, aber damals war ich fan zumindest von allem, was bis ‘75 veröffentlicht worden war – und deswegen hin und weg wegen des medleys in the cage/in that quiet earth/afterglow mit diesem furchtbar kitschigen, gefakten sonnenuntergang am ende. einige jahre später in köln war die maschinerie dann schon zu gut geölt.

3. pink floyd, westfalenhalle dortmund, 1986

eines der letzten hallenkonzerte der floydies – dabei wirkt diese bombastische lightshow im stadion doch gar nicht (was ich ebenfalls ein paar jahre später herausfinden durfte); dazu noch ein sound zum niederknien (in jeder beziehung) und die ehrlichsten worte eines rockstars (wir spielen jetzt die neuen stücke, dann machen wir eine pause, und dann spielen wir das, weswegen ihr wirklich gekommen seid).

4. king crimson, tanzbrunnen köln, 1996

sagte ich schon, dass ich das double trio für eine der besten inkarnationen des karmesinroten königs halte? auch wenn billy b. mit seinem drumtechnician haderte und bobby f. für das publikum am ende nur ein kopfschütteln übrig hatte, war das konzert einfach nur göttlich, da nicht so mainstreamig wie d’dorf ein jahr zuvor – außerdem gab’s the sheltering sky und 21st century schizoid man.

5. shibuza shirazu orchestra, kamp-lintfort, 2007

eine der durchgeknalltesten shows, die ich je gesehen habe – und das in einem keller, der für die mindestens zwei dutzend mitwirkenden schon zu klein war. blöderweise habe ich darauf verzichtet, sie mir eine woche später nochmals in köln anzusehen.

6. king crimson, museumsmeile bonn, 2000

at last! erste reihe vor’m bobbele – warum? weil die anderen alten säcke, nachdem sie in die „halle“ geschlendert waren, erstmal die bierstand aufgesucht haben… frakctured ist und bleibt pure angeberei – aber was für eine! das konzert gibt’s als download.

7. köster & hocker, krankenhaus holweide, das ein oder andere mal

einer der schäl-sick-klassiker ist dieser beinah jährliche benefiz-gig – „liebe holweiderinnen und holweider“… d’r driss schwimmt noh düsseldorf und kehrt nie mehr zurück…

8. david bowie, museumsmeile bonn, 2004 (?)

noch so ein alter sack, aber bester stimmung und mit grandioser backing-band – und viel spaß an den eigenen scherzen. klar: entertainment und keinerlei anspruch, aber gekonnt.

9. alic, irgendwo bei rote erde, anfang der 90er

mit dem basser noch am schlagzeug und einer supergeilen stimmung – war, wenn ich mich recht erinnere, ihr abschieds-gig – aber offenbar halten sie’s damit wie the who… ;-)

10. packeisen, tennisclub köln-süd, 2004

„ich möchte einmal vor publikum spielen, zur not vor zehn gekauften fans!“ na ja, es waren mehr als zehn, und gekauft war keiner, zudem war die stimmung hervorragend – unser sänger wurde 40 und die jubelnden waren seine gäste… es war der erste auftritt, bei dem ich anschließend dachte: „der job war gut – aber jetzt packen und nichts wie noh huss“. es war deswegen auch meiner letzter auftritt. trotzdem: jahre später wird man wehmütig, besonders, da nichts geblieben ist: der treue yamaha bb dient jetzt irgendwem als billig-proberaum-bass, der geklaute yamaha fretless und der ebenfalls geklaute ibanez 5-saiter sind… wo auch immer und der warwick quad 4 und die boxen werden irgendwo im siegerland von einem metal-basser traktiert.

die fünf überflüssigsten konzerte

1. westernhagen, müngersdorfer stadion köln, 1991

ich wollte sowieso nicht hin – und dann wollte diese freundin meiner freundin auch noch in die gegenkurve, weil sie sich vor den menschenmassen fürchtete: brilliante idee vor einführung der großbildleinwände!

2. coldplay, parkplatz in der nähe des fühlinger sees köln, 2005

was für arrogante arschgesichter, dazu noch eine konzertdauer von einer stunde 15 minuten inklusive zugaben – mir taten alle leid, die z.b. aus höxter gekommen waren.

3. marillion, eurogress aachen, 1987

lustlos heruntergespielter gig, anschließend publikumsbeschimpfung per radiointerview.

4. pink floyd, müngersdorfer stadion köln, 1987

in der hinteren hälfte des innenraums zu stehen bringt’s irgendwie nicht, die lightshow im hellen brachte es auch nicht, und die anschließend angehenden flutlichter ließen nicht nur mich an chile denken.

5. peter hamill, blondelstraße aachen, 1988

warum ein einzelner musiker, der dann in jogginghose und abgewetztem t-shirt auf die bühne kommt, sein publikum anderthalb stunden warten lässt, hat sich mir nicht so ganz erschlossen…

noch neun tage.

frage 5: warum war ich nie bei new model army als sie noch keine alten säcke waren?

dankeschön 6: r.“e.“e. für die vielen, vielen konzerte, zu denen wir gemeinsam gefahren sind!

auf die ohren:

those were the days

Mittwoch, 10. Dezember 2008

mein ohrwurm-overkill gestern erinnerte mich daran, dass ich in einem dieser guugelgestützten sentimentalitätsanfälle mal nachgesehen hatte, wer alles 1994 bei rock am ring war. zu meiner großen überraschung waren smashing pumpkins, radiohead und therapy? gelistet. ok, alles hätte ich ohnehin nicht sehen können, da wir uns zu dritt eine karte geteilt haben (glückliche zeiten – seit einführung der all-inclusive-bändchen für festivalbesucher geht soetwas nicht mehr), aber erinnern kann ich mich nur daran, dass ich reichlich benebelt mitten in einer wabernden menschenmenge bei rage against the machine stand und mich fragte, ob ich nicht langsam zu alt dafür sei.

erinnern kann ich mich an vieles, was nichts mit musik zu tun hat: festivalneuling, der ich war, hatte ich meinen wagen freitags mittemangs auf eine der wiesen geparkt – mit dem erfolg, dass ich erst montag wieder wegkam (ein jahr später war ich schlauer). natürlich hat es die ganze zeit geregnet. die dame vom nachbarzelt verteilte stracciatellakuchen, von dem sie selbst nichts aß – sie wusste, warum. ein flachländler sagte, er habe freddy mercury und jimmy hendrix im himmel ficken gesehen – bevor er zusammenbrach und von den sanis weggebracht wurde (währenddessen der derbyfahrer und ich im dichtesten nebel saßen und ersterer wegen des direkt hinter uns stehenden rettungswagen eine mittelschwere paranoia schob). eine horde punkies kam mit einem siebeneinhalbtonner und lud erstmal mehrere sofas aus, auf denen sie es sich um ein langerfeuer herum für die nächsten tage gemütlich machten. ein kuttenbehangener rocker brüllte, nachdem er am dixi-klo endlich an der reihe war „bah, ist dat widderlich – ich scheiß’ lieber in den wald!“ überall liefen bezingeneratoren, und nur für einen kurzen moment gegen sechs uhr morgens war es absolut still.

ich gebe zu, dass ich heute froh bin, wenn konzerthallen nicht zu groß sind und ich sitzen kann. aber manchmal fehlen mir regen, schlamm und lärm – und stracciatellakuchen.

der beamte: sach mal, warum hast du denn leere bierflaschen rechts und links neben das zelt gelegt.

der advokat: is doch klar – das ist unser raketenantrieb.

noch zen tage.

auf die ohren:

grau nass kalt alles wie immer

Dienstag, 9. Dezember 2008

…schließlich ist spätherbstnahezuwinter, nicht wahr? keine letzten verlorenen blätter hängen noch an den bäumen, keine schafe weiden mehr auf der anderen seite des flusses, der sich, anschwellend und garstig grau, richtung nordsee schiebt. mein blick auf die welt hat sich um wenige meter verschoben, die höhe ist allerdings geblieben und neid und missgunst auch.

die wichtigste nachricht dieses tages, die von unserer großen boulevardtageszeitung auch entsprechend gewürdigt wird, ist, dass heino dreimal wöchentlich seine frau pimpert. meinen glückwunsch dazu. derweil geht die demontage der andrea ypsilanti fröhlich weiter, wobei die frage weniger ist, ob sie oder ihre schergen tatsächlich freie abgeordnete dazu genötigt haben, handyfotos als nachweis ihres abstimmungsverhaltens zu machen, sondern warum sie nicht einfach das handtuch wirft und dem friedlichflauschigen vergessen anheimfällt. ich persönlich hätte lieber meine ruhe, als dass ich mich in wenig schmeichelhaften geschichten in der presse wiederfände, aber hey, wahrscheinlich bin ich gerade deswegen für den politischen betrieb so wenig geeignet: ich bin einfach zu weich.

oder auch nicht: bei dem neulich geäußerten ansinnen, dem wahlkampf nicht nur meine zeit und meine jugend zu opfern sondern auch noch mein geld, habe ich mich von meiner harten seite gezeigt. was der ob meiner antwort deprimierte frager nicht wissen konnte, war, dass ich mich schon länger frage, was der ganze dress eijentlich sull – und was er mit mir zu tun hat.

frage 4: warum gebe ich immer noch gerne, warum?

dankeschön 5: allen, die einst fernblieben – you changed the scenery (or was it me?).

noch elf tage. alaaf.

auf die ohren (ohrwurm der woche, des monats, des jahres…):

where was the hatchet? (mehr von mir VIII)

Mittwoch, 9. Juli 2008

not exactly smiling. das gesicht mir gegenüber hat wenig ähnlichkeit mit dem gesicht in meiner erinnerung. achtzehn jahre sind eine lange zeit. einige gesten, teile der mimik sind mir vage bekannt, die stimme ist dieselbe. mir kommt es vor, als seien eine mir unbekannte und eine mir bekannte person miteinander verschmolzen.

 

glücklicherweise finden wir auch außerhalb des üblichen „weißt-du-noch“ themen genug, um keine peinliche stille aufkommen zu lassen. mein gegenüber stellt viele fragen, so dass ich hinterher das gefühl haben werde, mehr von mir erzählt als über ihn erfahren zu haben. geschenkt, ich erzähle gerne. zuvor war ich aufgeregt, hatte ich mir doch dieses treffen gewünscht, aber immer wieder gezögert, es zu forcieren: ein letztes telefonat hatte bei mir den eindruck eines bruchs erweckt, da lag unser letztes aufeinandertreffen schon zwei jahre zurück. jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob es nicht einfach ein missverständnis war; ich spreche es nicht an, es wird nicht mehr zu klären sein.

 

später, in der s-bahn hinaus in unser dorf, fühle ich mich erleichtert. mir war von vorneherein bewusst, dass ein anknüpfen an alte zeiten nicht möglich ist. es spielt auch keine rolle, ob dieses treffen einmalig bleiben oder weitere folgen werden (letzteres würde mich freuen, weswegen ich später interesse bekundet haben werde). die erleichterung geht tiefer; sie gibt mir gelegenheit, mir selbst die hand zu reichen. mein blick geht über den rangierbahnhof, den autobahnzubringer mit den verwirrend vielen brücken und zuletzt über vorstadtsiedlungen, brachen und forste. hier bin ich zu hause, nirgendwo sonst.

 

worauf ich mich jetzt freue, ist das treffen mit einem anderen alten bekannten. dieses wird einfacher sein, schließlich haben wir uns einfach nur aus den augen verloren.

 

auf die ohren: robert wyatt – was a friend

heiß

Donnerstag, 3. Juli 2008

gestern war ein es heiß und stickig hier im bloggerdorf, aber nach den gewittern der vergangenen nacht hat es sich nun merklich abgekühlt.

 

 

heiß war es auch anderen: so wurde ich bei jedem abruf meiner e-mails mit den „besten brüsten hollywoods“ belästigt (nicht „von“ – ich weise darauf genauso ausdrücklich hin wie darauf, dass ich keinen zwielichtigen, sondern einen durchaus anerkannten account habe, dessen nachrichten vom spiegel-konzern geliefert werden). ich habe nicht nachgesehen, wer stolze besitzerin dieser besten brüste war, konnte aber nicht umhin, mich zu fragen, worauf sich dieses „beste“ bezieht: form? echtheit? größe? inhalt? diese frage blieb unbeantwortet.

 

manchmal frage ich mich ohnehin, wie ich diesen ganzen alltäglichen müll wieder aus meinem kopf hinausbekomme – und mit ihm alles, was ich sonst so über die hiltons, brangelinas, gülcans und veronas dieser welt weiß ohne es wissen zu wollen. gleiches gilt, wenn im radio zum einhundertmillionsten mal roseanna (oder sonstige aor-kacke) läuft oder ich beim zappen auf eine x-beliebigen ausgabe irgendeiner chartshow stoße und frl. menkes hohe berge mitträllern könnte (und dieses machwerk anschließend tagelang als wurm im ohr habe).

 

  

spannender war die frage, warum zwei menschen zwölf jahre vergehen lassen, um sich dann darin einig zu sein, dass sie sich längst beim jeweils anderen hätten melden können.

 

spannend ist auch der bauch meines lieblingsbloggers. mein lieber! aber zweieinhalb wochen frankreich mit senf-estragon- (nicht: estragon-senf-) sahne-sößchen zum im butter gebratenen fisch, dazu (wie es heute so schön heißt) lockerer kartoffelstampf mit viel butter und in sahne gekochtem, zuvor in butter angebratenem fenchel (und anderes mehr) haben ihres dazu beigetragen, dass ich mit ihm in den sumo-ring steigen könnte. wie gesagt: mein lieber!

 

auf die ohren: nine inch nails – the slip

schafe zählen (mehr von mir VII)

Freitag, 16. Mai 2008

windig ist es heute, und die schafe sind dort, wo das bloggerdorf fast ans neue grenzt, und damit beinahe außer sicht.

langsam meine ich zu verstehen, dass die fülle an erinnerungen und ein phänomenales langzeitgedächtnis das wirklich ärgerliche am älterwerden sind. alle legalen und illegalen methoden, wenigstens einen teil des arbeitsspeichers zu löschen, haben keinen nachhaltigen erfolg gehabt, und wenn ich mir filme wie „vergissmeinnicht“ ansehe, frage ich mich, ob das überhaupt wünschenswert gewesen wäre. so darf ich mich fragen, warum ich mich daran erinnern kann, mit bernd s. und zwei mädchen aus der nachbarschaft im nederlandsen v. auf einem mäuerchen vor einem reihenhaus gesessen zu haben, während deren hunde auf der zum haus gehörenden wiese tollten. ein fenster ging auf und eine frau rief hinaus: „eure hunde scheissen in unseren garten!“, worauf eines der mädchen antwortete: „die scheissen nicht, die pissen nur!“ ist 1983 nichts wesentlicheres passiert? und wenn ja: was? auf der anderen seite habe ich mich, während ich mit meiner liebsten 2005 durch marokko reiste, gefragt, warum ich mich nicht daran erinnern kann, während der marokko-tour 1988 auch nur einen einzigen muezzin rufen gehört zu haben, während wir nun fortwährend beschallt wurden. viele andere dinge sind präsent, als sei es erst gestern gewesen: osman und big paranoia in chechouen, thé à la menthe am djemaa el fna, der kauf von handgewebten decken in fes. aber muezzine?

warum ich das alles erzähle? die kurze antwort: warum nicht? die längere: letzte nacht, als meine liebste schon tief und fest schlief, lag ich wach. und wie es dann häufiger so ist, dachte ich an die und den und dies und das, und jedesmal kam es mir so vor, als klickte ich auf ein pull-down-menue, wo ich, vom kleinsten ins allerkleinste und von hölzchen auf stöckchen kommend, mich zudem noch diverser pop-ups erwehren musste. schlaflosigkeit 2.0. früher hätte man gesagt, ich wäre von geistern der vergangenheit gejagt worden, aber das wäre ungerecht, implizierte es doch einen ungesunden zustand der erinnerten und zudem ein ebenfalls ungesundes verhältnis zu den leichen im eigenen keller. beides ist nicht der fall: ich hoffe doch sehr, dass, trotz dass der ein oder anderer momentan vielleicht kränkelt, sich alle geister bester gesundheit erfreuen; und zu den leichen in meinem keller pflege ich ein freundliches, aber sicherlich nicht ignorantes verhältnis. lästig ist eine solche insomnie dennoch, besonders, wenn man, wie ich letzte nacht, überhaupt keinen bock auf einen sentimentalitätsexzess hat und zudem weiß, dass der wecker erbarmungslos um fünf uhr klingeln wird.

ich habe dann begonnen, schafe zu zählen, und irgendwann hat es tatsächlich geholfen. allerdings haben es zwei geister geschafft, sich in meinen traum zu mogeln. obwohl sie nichts miteinander zu tun haben, spielten sie ein paar, und auch wenn sie sich überhaupt nicht ähnlich sahen, wusste ich genau, wer sie waren; und als ich aufwachte, war da kurz dieses gefühl, dass es noch etwas zu sagen gäbe.

auf die ohren: king crimson – b’boom/thrak (manche stücke werden besser, wenn man sie zehn jahre liegen lässt)