Getaggte Beiträge ‘sentimentalität’

where was the hatchet? (mehr von mir VIII)

Mittwoch, 9. Juli 2008

not exactly smiling. das gesicht mir gegenüber hat wenig ähnlichkeit mit dem gesicht in meiner erinnerung. achtzehn jahre sind eine lange zeit. einige gesten, teile der mimik sind mir vage bekannt, die stimme ist dieselbe. mir kommt es vor, als seien eine mir unbekannte und eine mir bekannte person miteinander verschmolzen.

 

glücklicherweise finden wir auch außerhalb des üblichen “weißt-du-noch” themen genug, um keine peinliche stille aufkommen zu lassen. mein gegenüber stellt viele fragen, so dass ich hinterher das gefühl haben werde, mehr von mir erzählt als über ihn erfahren zu haben. geschenkt, ich erzähle gerne. zuvor war ich aufgeregt, hatte ich mir doch dieses treffen gewünscht, aber immer wieder gezögert, es zu forcieren: ein letztes telefonat hatte bei mir den eindruck eines bruchs erweckt, da lag unser letztes aufeinandertreffen schon zwei jahre zurück. jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob es nicht einfach ein missverständnis war; ich spreche es nicht an, es wird nicht mehr zu klären sein.

 

später, in der s-bahn hinaus in unser dorf, fühle ich mich erleichtert. mir war von vorneherein bewusst, dass ein anknüpfen an alte zeiten nicht möglich ist. es spielt auch keine rolle, ob dieses treffen einmalig bleiben oder weitere folgen werden (letzteres würde mich freuen, weswegen ich später interesse bekundet haben werde). die erleichterung geht tiefer; sie gibt mir gelegenheit, mir selbst die hand zu reichen. mein blick geht über den rangierbahnhof, den autobahnzubringer mit den verwirrend vielen brücken und zuletzt über vorstadtsiedlungen, brachen und forste. hier bin ich zu hause, nirgendwo sonst.

 

worauf ich mich jetzt freue, ist das treffen mit einem anderen alten bekannten. dieses wird einfacher sein, schließlich haben wir uns einfach nur aus den augen verloren.

 

auf die ohren: robert wyatt - was a friend

heiß

Donnerstag, 3. Juli 2008

gestern war ein es heiß und stickig hier im bloggerdorf, aber nach den gewittern der vergangenen nacht hat es sich nun merklich abgekühlt.

 

 

heiß war es auch anderen: so wurde ich bei jedem abruf meiner e-mails mit den “besten brüsten hollywoods” belästigt (nicht “von” - ich weise darauf genauso ausdrücklich hin wie darauf, dass ich keinen zwielichtigen, sondern einen durchaus anerkannten account habe, dessen nachrichten vom spiegel-konzern geliefert werden). ich habe nicht nachgesehen, wer stolze besitzerin dieser besten brüste war, konnte aber nicht umhin, mich zu fragen, worauf sich dieses “beste” bezieht: form? echtheit? größe? inhalt? diese frage blieb unbeantwortet.

 

manchmal frage ich mich ohnehin, wie ich diesen ganzen alltäglichen müll wieder aus meinem kopf hinausbekomme - und mit ihm alles, was ich sonst so über die hiltons, brangelinas, gülcans und veronas dieser welt weiß ohne es wissen zu wollen. gleiches gilt, wenn im radio zum einhundertmillionsten mal roseanna (oder sonstige aor-kacke) läuft oder ich beim zappen auf eine x-beliebigen ausgabe irgendeiner chartshow stoße und frl. menkes hohe berge mitträllern könnte (und dieses machwerk anschließend tagelang als wurm im ohr habe).

 

  

spannender war die frage, warum zwei menschen zwölf jahre vergehen lassen, um sich dann darin einig zu sein, dass sie sich längst beim jeweils anderen hätten melden können.

 

spannend ist auch der bauch meines lieblingsbloggers. mein lieber! aber zweieinhalb wochen frankreich mit senf-estragon- (nicht: estragon-senf-) sahne-sößchen zum im butter gebratenen fisch, dazu (wie es heute so schön heißt) lockerer kartoffelstampf mit viel butter und in sahne gekochtem, zuvor in butter angebratenem fenchel (und anderes mehr) haben ihres dazu beigetragen, dass ich mit ihm in den sumo-ring steigen könnte. wie gesagt: mein lieber!

 

auf die ohren: nine inch nails - the slip

schafe zählen (mehr von mir VII)

Freitag, 16. Mai 2008

windig ist es heute, und die schafe sind dort, wo das bloggerdorf fast ans neue grenzt, und damit beinahe außer sicht.

langsam meine ich zu verstehen, dass die fülle an erinnerungen und ein phänomenales langzeitgedächtnis das wirklich ärgerliche am älterwerden sind. alle legalen und illegalen methoden, wenigstens einen teil des arbeitsspeichers zu löschen, haben keinen nachhaltigen erfolg gehabt, und wenn ich mir filme wie “vergissmeinnicht” ansehe, frage ich mich, ob das überhaupt wünschenswert gewesen wäre. so darf ich mich fragen, warum ich mich daran erinnern kann, mit bernd s. und zwei mädchen aus der nachbarschaft im nederlandsen v. auf einem mäuerchen vor einem reihenhaus gesessen zu haben, während deren hunde auf der zum haus gehörenden wiese tollten. ein fenster ging auf und eine frau rief hinaus: “eure hunde scheissen in unseren garten!”, worauf eines der mädchen antwortete: “die scheissen nicht, die pissen nur!” ist 1983 nichts wesentlicheres passiert? und wenn ja: was? auf der anderen seite habe ich mich, während ich mit meiner liebsten 2005 durch marokko reiste, gefragt, warum ich mich nicht daran erinnern kann, während der marokko-tour 1988 auch nur einen einzigen muezzin rufen gehört zu haben, während wir nun fortwährend beschallt wurden. viele andere dinge sind präsent, als sei es erst gestern gewesen: osman und big paranoia in chechouen, thé à la menthe am djemaa el fna, der kauf von handgewebten decken in fes. aber muezzine?

warum ich das alles erzähle? die kurze antwort: warum nicht? die längere: letzte nacht, als meine liebste schon tief und fest schlief, lag ich wach. und wie es dann häufiger so ist, dachte ich an die und den und dies und das, und jedesmal kam es mir so vor, als klickte ich auf ein pull-down-menue, wo ich, vom kleinsten ins allerkleinste und von hölzchen auf stöckchen kommend, mich zudem noch diverser pop-ups erwehren musste. schlaflosigkeit 2.0. früher hätte man gesagt, ich wäre von geistern der vergangenheit gejagt worden, aber das wäre ungerecht, implizierte es doch einen ungesunden zustand der erinnerten und zudem ein ebenfalls ungesundes verhältnis zu den leichen im eigenen keller. beides ist nicht der fall: ich hoffe doch sehr, dass, trotz dass der ein oder anderer momentan vielleicht kränkelt, sich alle geister bester gesundheit erfreuen; und zu den leichen in meinem keller pflege ich ein freundliches, aber sicherlich nicht ignorantes verhältnis. lästig ist eine solche insomnie dennoch, besonders, wenn man, wie ich letzte nacht, überhaupt keinen bock auf einen sentimentalitätsexzess hat und zudem weiß, dass der wecker erbarmungslos um fünf uhr klingeln wird.

ich habe dann begonnen, schafe zu zählen, und irgendwann hat es tatsächlich geholfen. allerdings haben es zwei geister geschafft, sich in meinen traum zu mogeln. obwohl sie nichts miteinander zu tun haben, spielten sie ein paar, und auch wenn sie sich überhaupt nicht ähnlich sahen, wusste ich genau, wer sie waren; und als ich aufwachte, war da kurz dieses gefühl, dass es noch etwas zu sagen gäbe.

auf die ohren: king crimson - b’boom/thrak (manche stücke werden besser, wenn man sie zehn jahre liegen lässt)

everything must go (mehr von mir VI)

Donnerstag, 24. April 2008

was für ein trübgrauer tag heute im bloggerdorf! zwischendurch sah es kurz frühlingssonnig aus, aber davon ist nichts geblieben.

inzwischen kommen die ersten angebote für die et2 herein. wenn ich sie sehe

dann bricht es mir fast das herz, aber letztes jahr stand sie auch nur unter ihrer plane, und es ist ein wunder, dass sie dabei nicht völlig verrottet ist. seit gestern steht fest, dass auch meine alte sfera verkauft wird. meine liebste meinte, ich sollte, wenn mir das sitzen zeit lässt, lieber rad fahren anstatt durch die gegend zu knattern - und irgendwie hat sie ja recht.

also startet eine neue phase des großen ausverkaufs: letztes jahr habe ich in einem anfall von ausverkaufswut bass, amp, alte fotoapparate und einen teil meiner schallplattensammlung vertickt. den bass vermisse ich seither jedes mal, wenn ich am pc sitze und warte, bis diese immens schnelle kiste mit irgendeiner bearbeitung fertig ist. die schallplatten vermisse ich nicht: zwei drittel meiner sammlung sind ohnehin unter’m dach verstaut, und den rest höre ich auch nicht, weil inzwischen ausschließlich mp3’s oder internetradio für die berieselung sorgen. was für ein wahnsinn, wenn ich mir überlege, wieviel zeit und geld ich in diese sammlung gesteckt habe. it was fun while it lasted.

auf der anderen seite: wenn ich alles aufheben würde, was mir einmal lieb und teuer war, dann würde ich in einem wohnwagen leben, der vor einer lagerhalle steht. aber dafür reicht meine sentimentale ader nicht.

das handelsblatt schreibt heute über die liebe zum ich, aber erklärt mir auch nicht so recht, was ich hier treibe…

auf die ohren: miles davis - calypso freelimo (nachher muss ich mal den shuffle neu bestücken)

kitsch as kitsch can

Dienstag, 22. April 2008

was man so am wegesrand sieht, wenn man quer durch’s bloggerdorf geht:

as years go by (mehr von mir IV)

Dienstag, 15. April 2008

irgendwann war es soweit. das programm war beendet, die geschenke verteilt, die reden gehalten. die aula war gut gefüllt, und wir standen auf der bühne und sangen “we are the champions”. dann fehlte zwar der abspann, die hinweise auf licht und regie - aber auch so war’s das: die schule hatte uns ausgespuckt und ins leben getreten. zumindest mir kam es so vor.
ausgeblendet.
schwarze leinwand.
zwanzig jahre später.
neulich fand ich auf meinem anrufbeantworter nachrichten von zwei anruferinnen, an deren namen ich mich nur vage erinnern konnte. der ersten anruferin habe ich eine nachricht auf ihrem ab hinterlassen (moderne kommunikation läuft halt so). die zweite anruferin meldete sich mit einem anderen namen als dem, den sie auf meinem ab hinterlassen hatte. wir haben uns nett unterhalten und neuigkeiten über menschen ausgetauscht, die ich seit mehr als einem jahrzehnt nicht mehr gesehen habe. mehr als ein jahrzehnt. wo ist die ganze zeit geblieben? zu dem zeitpunkt, als wir vor dem auditorium sangen, hätte man jemanden mehr als ein jahrzehnt nicht gesehen, der nach dem dritten schuljahr die grundschule verlassen hat. noch ärger wird’s, wenn ich mir überlege, dass ich die anruferin, mit der ich nun telefonierte, schon seit etwa zwei jahrzehnten nicht mehr gesehen habe (ich habe ihr in ‘tricht mal von ferne zugewinkt, aber das ist bestimmt auch schon sechs, sieben jahre her). der grund ihres anrufes war die ankündigung eines klassentreffens, das für den 18. oktober geplant ist. das gibt mir zeit, zu überlegen, ob ich meiner sentimentalen ader nachgeben und hingehen werde oder mir in meiner dorfkneipe mit einer träne im knopfloch auf die guten alten zeiten zuproste und dann weitermache wie bisher.
schnitt.
vor zwanzig jahren war immer schönes wetter. ich war frei. wir waren frei. wir haben bei einem guten freund tagelang im garten gesessen, während goldene und orange käfer und silberne golfs (und auch rote derbys?) vor der tür standen. wir waren in brouwershaven, in marrakech und in fes, in porto und in lissabon, das mich seither nicht mehr losgelassen hat. dann war der sommer vorbei. vor zwanzig jahren.
auf die ohren: pink floyd - echoes

sozialisation (mehr von mir III)

Montag, 14. April 2008

mein lieblingsblogger erzählt heute etwas über seine musikalische sozialisierung, und da wir offenkundig auf gleichen wurzeln stehen (wenn auch mit unterschiedlichen ergebnissen), will ich doch gerne nachziehen. etliche jahre, bevor der mann mit dem roten derby (siehe “böse mucke”) überhaupt führerschein buchstabieren konnte, war er derjenige, der dem busfahrer auf einer klassenfahrt ins malerische bingen am rhein eine cassette in die hand drückte. introductory fanfare/peter gunn von emerson, lake and palmer’s in concert blew me away. er war es auch, der mir genesis live in die hand drückte und den tipp gab, statt asia yes zu hören - nun gut, nachdem ich mich an jon anderson’s stimme gewöhnt hatte, gefiel mir yessongs richtig gut. damit war der grundstock gelegt, und ich war für mein restliches leben versaut. später versorgte mich mein lateinlehrer mit van der graaf generator, soft machine und vor allem - king crimson. während des zivildienstes brachte die heavy rotation auf mtv pearl jam und in der folge temple of the dog, soundgarden, rage against the machine und afghan whigs, und viel später kamen miles davis elektrische phase, nils petter molvaer, aivind aarset und bugge wesseltoft dazu, außerdem seit wool eine merkwürdige vorliebe für die schrägeren sachen der nits und mit jazzmatazz und erykah badu auch ein bisschen r’n'b. was geblieben ist, gibt’s noch immer auf die ohren. elp gehören nicht mehr dazu, ich kann sie nicht mehr hören. obwohl… etwas endless enigma oder take a pebble so dann und wann…
wie geht nun die geschichte mit dem roten derby weiter? ich vermute, er ist längst verschrottet oder fährt, von drähten zusammengehalten, in irgendeinem schwellen- oder drittweltland noch immer (genauso wie goldene käfer und silberne golfs vielleicht auch). und was ist aus seinem fahrer geworden? vielleicht erinnert er sich gerade daran, dass er mal eine level 42-phase hatte, die genauso fremdschämgeeignet ist wie bryan adams oder …ja, ich hatte eine lp von spandau ballet. und ich habe sie sogar gehört.
warum ich das alles schreibe? weil die sitzung heute erst um halb neun beendet war und ich mit einer wüsten mischung aus aufgekratztheit und tiefer müdigkeit kämpfe und es einfach gut tut, mal von etwas zu schreiben, was mir einfach nur ein grinsen auf mein gesicht bringen kann. bingen. wann erinnere ich mich sonst an bingen?
auf die ohren: soft machine - six.

tag eins im bloggerland

Donnerstag, 27. März 2008

hellgraukaltes wetter heute im bloggerdorf… kein schnee mehr, nirgends.

hurra!

jetzt habe ich meinen eigenen blog und kann endlich auch meinen senf zu dieser großen weiten müllhalde 2.0 dazugeben.

neulich führte mich ein goooglegestützer sentimentalitätsausflug zu www.skidman.de (well done, man, well done) und ein anflug ärmelaufgekrempelten tatendrangs hierher.

hier steh’ ich nun.

um mich herum virtuelle leere, eine weite ebene. the sky is the limit.

aktuelles über mich: ich sehe den schiffen zu, der weg weit von rotterdam nach basel.

musik: ich hab’ ralph towner in der tasche und radiohead auf’m pod.