stampede

By blogghead

ein unentschlossengraugelangweilter himmel hängt heute über dem fluss, während die schafe vom schäfer und seinen hunden von einer ecke der weide in eine andere getrieben werden. rasende pocken sind ein toller anblick, nun wieder grasende langweilig wie je. bald schon werden sie ihren futterplatz mit altstadtaussicht für die größte kirmes am rhein räumen müssen, aber noch lassen sie es sich schmecken.

meine lieblingszeitungen berichten heute wahlweise über ein wegen oralverkehrs auf dem knast-klo verhängtes schulverbot oder darüber, wie das amok-mädchen ihrem opfer den daumen abschnitt. nachrichten, die die welt nicht braucht und zu denen ich gerne die meinung eines werktags gut besuchten eckkneipenstammtischs (ja, ich kann auch fies polemisch sein) hören würde. wobei: so polemisch ist das gar nicht, da sich eckkneipenstammtische auch in arbeitsstellen befinden können und von *eigentlich* gut ausgebildeten und hochdotierten arbeitnehmern bevölkert werden.

so kann ich mich noch gut daran erinnern, dass nach einer groß aufgemachten serie in meinem lieblingsschmierblatt über sexualstraftäter der ruf in letzterem kreis nach todesstrafe und „schwanz ab“ entsetzlich laut war und es nichts geholfen hätte, darauf hinzuweisen, dass die tatsächliche kriminalitätsrate und die berichterstattung über diese diametral auseinandergehen: hauptsache der mob hat etwas, worüber er sich echauffieren kann. dass selbst die gut ausgebildeten hochbezahlten als grundlage ihrer argumentation nicht etwa die zeit sondern die bild nehmen, wirft ein grelles licht darauf, dass letztere mit ihrem werbeclaim „bild dir deine meinung“ so falsch nicht liegt. dass einige der letzteren praktizierende gläubige sind, steht dabei noch auf einem ganz anderen blatt.

ich bin mir unsicher, ob mein entsetzen über eine reißerische, einen dumpfen voyeurismus bedienende berichterstattung größer ist als das über die gierige schweigende mehrheit, die diese berichte goutiert. und wenn straftätern nach ausführlicher berichterstattung über ihr vermeintlich luxuriöses leben hinter gittern von mitgefangenen das gesicht zerschnitten wird, dann erschrecke ich vor den befriedigten gesichtern, die laut „recht so“ rufen. das eis der rechtstaatlichkeit ist verdammt dünn.

auf die ohren:

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