ziemlich genau vor zwanzig jahren stieg eine riesenparty im domkeller, der damals noch mein lieblingsaufenthaltsort war – es war die größte party, die ich jemals geschmissen habe, wobei ich selbstkritischerweise anmerken muss, dass vermutlich viele von der aussicht auf freibier angelockt waren. but however. der deckel betrug ein paar hundert mark, dafür waren meine getränke frei.
lange zeit hatte ich mir überlegt, ob ich mich nicht an ein remake wagen sollte, den sentimentalen overkill sozusagen. dazu hätte ich mich in den domkeller gesetzt und zuvor allen menschen, die durch mein leben gestapft sind, eine karte geschrieben und sie eingeladen. doch damit fing es schon an: wirklich allen? oder gibt es nicht vielleicht doch ein, zwei lück, auf deren anwesenheit ich nicht allzu großen wert lege (und ein, zwei weitere, die jede äußerung von mir als affront auffassen würden)? außerdem: was würde es mir bringen, den schorf alter wunden wieder aufzukratzen? nee, das muss nicht sein, also habe ich diese idee wieder begraben.
stattdessen gehen die feierlichkeiten ihren gewohnten gang: heute, zwar verfrüht, aber dennoch wie gewohnt das frühstück mit meinen kollegen, die sicherlich nicht meine welt und meiner meinung sind, mit denen ich aber dennoch in den vergangenen zehn jahren zwangsläufig verdammt viel zeit verbracht habe. heute abend weihnachtsfeiert mein ortsverein, also die lück, die mir in der letzten zeit zwar auch selten freude gemacht, die aber einen guten teil meiner freizeit mit mir verbracht haben – und wenn die feier lang genug dauert, dann rutschen wir halt in meinen geburtstag hinein. alles andere, und damit auch geisterfeiern im domkeller, wären sentimentalitäten, die ich mir im geiste gönnen kann, aber nicht umsetzen sollte. ävver, leeve lück, ich weed hück avond ‘n kölsch op üsch drenke (und eine träne ins knopfloch stecken). versprochen.
mein lieblingsblogger hat alles wieder viel schöner gefasst (siehe „krümmung“) als ich, was ich mit einem lächeln und mit tränen in den augen quittiere. und trotz dass wir uns mal fragen könnten, wie nah wir uns überhaupt jemals gestanden haben, und ich mich entsinne, dass ich ihn in den vergangenen zwanzig jahren nur ein einziges mal besucht habe (1992 im herbst war das, als ich diese stadt, die zwar nur halb so groß wie der chicagoer zentralfriedhof, aber doppelt so tot ist, wieder gegen aachen eingetauscht hatte), finde ich bemerkenswert, dass einige entwicklungen vergleichbar verlaufen sind: denn die sinnlosigkeit von kilometerlangen fahrten zwecks fluchthilfe und der nachfolgenden komplettverbarikadierungen hat mich vor dreizehn jahren aus aachen vertrieben (auch wenn es dann noch jahre dauerte, um ein verhalten, dass ein ehemals guter freund kürzlich als „fürchterlich retro“ bezeichnete, abzuschütteln). und auch ich konnte mir mein dasein nicht durch wohltemperierte fläschchen und vollgeschissene windeln versinnlichen, und am ende wollte ich es auch nicht. allein deswegen, alter, sollten wir am engk doch noch ein bierchen trinken gehen, und wenn schon nicht auf alte zeiten, dann doch vielleicht mit einem gealterten blick auf das hier und jetzt.
die letzten wochen habe ich mir hier eine ausschweifende rückschau gegönnt, die hauptsächlich dem geschuldet ist, dass die seiten gefüllt sein wollen. im wirklichen leben gibt es (glücklicherweise) eine zu große persönliche, personelle und örtliche zäsur, als dass ich großartig gelegenheit hätte, an alkoholseeligen abenden in ein „weißt du noch“ abzugleiten. ebenso glücklicherweise gab mir mal jemand hilfestellung darin, meine geschichte(n) zu akzeptieren – und damit loslassen zu können. denn das, was ich am meisten bedauere, ist die zeit, die dafür draufgegangen ist, dingen hinterherzutrauern, die nicht mehr zu ändern waren. jetzt muss es mir *nur noch* gelingen, nach vorne zu schauen und pläne zu schmieden, und wer weiß? vielleicht nimmt das ein oder andere, lang vor mir her geschobene dann doch noch gestalt an.
noch ein tag.
dankeschön 10: meinem spiegelbild, weil es mir nach, trotz und wegen allem noch immer in die augen sehen kann.
genug gedankt.
auf die ohren:
last night
i took a walk into the back of my mind
through the trash and the warning signs
there was a party full of jokes and cliches
i couldn’t think of anything to say…
übrigens gibt’s immer wieder menschen, die unvorteilhaft altern…
Schlagworte: selbst, sentimentalität