windig ist es heute, und die schafe sind dort, wo das bloggerdorf fast ans neue grenzt, und damit beinahe außer sicht.
langsam meine ich zu verstehen, dass die fülle an erinnerungen und ein phänomenales langzeitgedächtnis das wirklich ärgerliche am älterwerden sind. alle legalen und illegalen methoden, wenigstens einen teil des arbeitsspeichers zu löschen, haben keinen nachhaltigen erfolg gehabt, und wenn ich mir filme wie „vergissmeinnicht“ ansehe, frage ich mich, ob das überhaupt wünschenswert gewesen wäre. so darf ich mich fragen, warum ich mich daran erinnern kann, mit bernd s. und zwei mädchen aus der nachbarschaft im nederlandsen v. auf einem mäuerchen vor einem reihenhaus gesessen zu haben, während deren hunde auf der zum haus gehörenden wiese tollten. ein fenster ging auf und eine frau rief hinaus: „eure hunde scheissen in unseren garten!“, worauf eines der mädchen antwortete: „die scheissen nicht, die pissen nur!“ ist 1983 nichts wesentlicheres passiert? und wenn ja: was? auf der anderen seite habe ich mich, während ich mit meiner liebsten 2005 durch marokko reiste, gefragt, warum ich mich nicht daran erinnern kann, während der marokko-tour 1988 auch nur einen einzigen muezzin rufen gehört zu haben, während wir nun fortwährend beschallt wurden. viele andere dinge sind präsent, als sei es erst gestern gewesen: osman und big paranoia in chechouen, thé à la menthe am djemaa el fna, der kauf von handgewebten decken in fes. aber muezzine?
warum ich das alles erzähle? die kurze antwort: warum nicht? die längere: letzte nacht, als meine liebste schon tief und fest schlief, lag ich wach. und wie es dann häufiger so ist, dachte ich an die und den und dies und das, und jedesmal kam es mir so vor, als klickte ich auf ein pull-down-menue, wo ich, vom kleinsten ins allerkleinste und von hölzchen auf stöckchen kommend, mich zudem noch diverser pop-ups erwehren musste. schlaflosigkeit 2.0. früher hätte man gesagt, ich wäre von geistern der vergangenheit gejagt worden, aber das wäre ungerecht, implizierte es doch einen ungesunden zustand der erinnerten und zudem ein ebenfalls ungesundes verhältnis zu den leichen im eigenen keller. beides ist nicht der fall: ich hoffe doch sehr, dass, trotz dass der ein oder anderer momentan vielleicht kränkelt, sich alle geister bester gesundheit erfreuen; und zu den leichen in meinem keller pflege ich ein freundliches, aber sicherlich nicht ignorantes verhältnis. lästig ist eine solche insomnie dennoch, besonders, wenn man, wie ich letzte nacht, überhaupt keinen bock auf einen sentimentalitätsexzess hat und zudem weiß, dass der wecker erbarmungslos um fünf uhr klingeln wird.
ich habe dann begonnen, schafe zu zählen, und irgendwann hat es tatsächlich geholfen. allerdings haben es zwei geister geschafft, sich in meinen traum zu mogeln. obwohl sie nichts miteinander zu tun haben, spielten sie ein paar, und auch wenn sie sich überhaupt nicht ähnlich sahen, wusste ich genau, wer sie waren; und als ich aufwachte, war da kurz dieses gefühl, dass es noch etwas zu sagen gäbe.
auf die ohren: king crimson – b’boom/thrak (manche stücke werden besser, wenn man sie zehn jahre liegen lässt)
Schlagworte: schafe, selbst, sentimentalität