irgendwann war es soweit. das programm war beendet, die geschenke verteilt, die reden gehalten. die aula war gut gefüllt, und wir standen auf der bühne und sangen „we are the champions“. dann fehlte zwar der abspann, die hinweise auf licht und regie – aber auch so war’s das: die schule hatte uns ausgespuckt und ins leben getreten. zumindest mir kam es so vor.
ausgeblendet.
schwarze leinwand.
zwanzig jahre später.
neulich fand ich auf meinem anrufbeantworter nachrichten von zwei anruferinnen, an deren namen ich mich nur vage erinnern konnte. der ersten anruferin habe ich eine nachricht auf ihrem ab hinterlassen (moderne kommunikation läuft halt so). die zweite anruferin meldete sich mit einem anderen namen als dem, den sie auf meinem ab hinterlassen hatte. wir haben uns nett unterhalten und neuigkeiten über menschen ausgetauscht, die ich seit mehr als einem jahrzehnt nicht mehr gesehen habe. mehr als ein jahrzehnt. wo ist die ganze zeit geblieben? zu dem zeitpunkt, als wir vor dem auditorium sangen, hätte man jemanden mehr als ein jahrzehnt nicht gesehen, der nach dem dritten schuljahr die grundschule verlassen hat. noch ärger wird’s, wenn ich mir überlege, dass ich die anruferin, mit der ich nun telefonierte, schon seit etwa zwei jahrzehnten nicht mehr gesehen habe (ich habe ihr in ‘tricht mal von ferne zugewinkt, aber das ist bestimmt auch schon sechs, sieben jahre her). der grund ihres anrufes war die ankündigung eines klassentreffens, das für den 18. oktober geplant ist. das gibt mir zeit, zu überlegen, ob ich meiner sentimentalen ader nachgeben und hingehen werde oder mir in meiner dorfkneipe mit einer träne im knopfloch auf die guten alten zeiten zuproste und dann weitermache wie bisher.
schnitt.
vor zwanzig jahren war immer schönes wetter. ich war frei. wir waren frei. wir haben bei einem guten freund tagelang im garten gesessen, während goldene und orange käfer und silberne golfs (und auch rote derbys?) vor der tür standen. wir waren in brouwershaven, in marrakech und in fes, in porto und in lissabon, das mich seither nicht mehr losgelassen hat. dann war der sommer vorbei. vor zwanzig jahren.
auf die ohren: pink floyd – echoes
Schlagworte: selbst, sentimentalität