nicht lustig
nachdem ich mich neulich gefragt habe, ob ich mich nicht doch dem ersatzbefriedigungskonsum hingeben möchte, kann ich nun vollzug melden: ich habe mir u.a. (sic!) einen ipod shuffle gegönnt. mein mit mir haderndes gewissen habe ich damit beruhigt, dass ich natürlich die (product) red-variante gewählt habe. ganz schön stylish, das teil - klar, wurde es doch, wie mir die verpackung verrät, in kalifornien designt. zusammengebaut wurde es allerdings in china, und zwar, wie ich vermute, unter menschenwürdigen bedingungen von arbeitern, die in einer auchtunddreißigeinhalb stunden-woche gutes geld verdienen, für die die regeln der betrieblichen mitbestimmung gelten und die nach der arbeit ihren wohlverdienten feierabend mit einem bier in der hand vor dem flachbild-fernseher verbringen. nicht? ja, und wenn nicht, hätte das meine kaufentscheidung entscheidend beeinflusst? habe ich beim kauf eines fernsehers, videorecorders, fotoapparats, mp3-players, objektivs, turnschuhs, druckers, handys oder eines produkts meiner wahl meine entscheidung jemals davon leiten lassen, ob diese produkte tatsächlich unter menschenwürdigen bedingungen hergestellt worden sind? und selbst wenn nicht nur der preis einer sache im vordergrund stand, habe ich mich dann nicht zuvorderst nach ausstattung, abbildungsqualität und anderen leistungsmerkmalen gerichtet? habe ich mich vielleicht sogar in konsumverzicht geübt und auf eine neue cd, einen leistungsstärkeren pc oder halt einen ipod shuffle verzichtet? und wenn nicht, warum nicht?
aber wo ich gerade beim leistungsverzicht bin und bei den vier fingern, die immer auf einen zurückzeigen: die printausgabe des kölner stadtanzeigers titelt heute mit “viele werden verhungern”. perverserweise sind die rasant steigenden nahrungsmittelpreise auf die verstärkte nachfrage nach sogenanntem biosprit zurückzuführen. lustigerweise war es die deutsche regierung, die es innerhalb der eu durchgesetzt hat, dass die co2-emissionen von kraftfahrzeugen höher bleiben darf, als es ursprünglich vorgesehen war und vor allem technisch möglich ist. durch die beimengung des sogenannten biosprits sollte erreicht werden, dass die bundesrepublik ihre klimaziele dennoch erreicht. ist es zynisch zu sagen, dass der mangelnde wille, sich gegen die lobby der autoindustrie durchzusetzen, mit einer entsetzlich hohen zahl an hungertoten bezahlt werden wird? darüber hinaus ist die nachfrage an bezinsparenden automodellen derart gering, dass baureihen wie z.b. der 3-liter-lupo von vw nicht mehr produziert werden. auf der anderen seite boomt der markt der suvs, spritfressende riesen, die meistens auch nur einen einzelnen menschen auf gut asphaltierten straßen von a nach b bringen. und ich vermute, dass mindestens ein fahrer eines spritfressenden groß- oder alt-pkw die grünen wählt und gegen die unterdrückung der tibeter ist. niemand kann, so massiv wie der zusammenhang zwischen der umwandlung von ackerflächen für den anbau von biosprit und dem drohenden hungertod von einer unüberschaubaren anzahl an menschen derzeit durch die presse geht, später einmal sagen, er habe von nichts gewusst. und nun die spannende frage: wie hoch wird die zahl der bundesbürger sein, die dies zum anlass nehmen werden, ihr handeln grundlegend zu überdenken UND zu verändern?
aber solange mein lieblingsspiegel noch zeit, platz und muße findet, über britney spears mangelnde fahrkünste zu berichten, ist die lage der welt offenkundig zwar aussichtslos, aber nicht bedrohlich.