endlich: der generationenkonflikt geht in die heiße phase!
jetzt ist die katze aus dem sack! “Der generationenkonflikt (…) - jetzt wird er wirklichkeit” titelt die niveauvolle intellektuellenpostille zeit, polit-rentner roman herzog sieht wegen der beschlossenen rentenerhöhung düstere zeiten auf die bundesrepublik zukommen und malt das katastrophenszenario schonmal in dicken strichen an die wand: “das könnte am ende in die richtung gehen, dass die älteren die jüngeren ausplündern“. ist denn schon saure-gurken-zeit? jetzt können wieder alle, die sich bemüßigt fühlen, aufeinander einschlagen, jetzt können wieder feindbilder gehegt und vorurteile gepflegt werden. armes deutschland. und wenn in geschätzten zwei wochen diese hochemotionale welle wieder abgeebbt sein wird, weil der pressetross ein anderes spannendes thema gefunden haben wird, dann hat man sich zwar ein wenig die köpfe eingeschlagen, aber keine wahrheit ausgesprochen und keinen willen erkennen lassen, gemeinsam probleme zu lösen. nebenher: wenn herzog davon spricht, dass alle parteien überproportional rücksicht auf die älteren nehmen, dann müssen sich die jüngeren fragen lassen, wie sie sich denn am politischen willensbildungsprozess beteiligen; denn soweit ich das sehe, ist die anzahl der aktiven unter-vierzig-jährigen in den parteigliederungen vor ort eher gering. ich weiß, dass selbst dsds spannender ist, aber wenn man sich nicht einbringt, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn “die politik” keine rücksicht auf einen nimmt - da hilft auch kein lautstarker aufschrei in den leserbriefspalten und diskussionsforen dieser republik.
nebenher haben wir auch noch zeit, uns um baskenmützen zu kümmern. vielleicht sollte der gesetzgeber in nrw allem aus dem wege gehen und ganz generell das tragen von kopfbedeckungen in klassenzimmern verbieten - wenn er meint, dass es im schulwesen sonst nichts dringendes zu regeln gibt.
auf die ohren: klaus schulze - the rhodes elegy (für freunde der gepflegten langeweile: musicload vertickt schulzes endlos-epen einzeln für etwa einen euro - es gibt also keinen grund, für cds mit zwei oder drei stücken 15 euro hinzulegen.)
Schlagworte: politik
Freitag, 11. April 2008 um 10:46 Uhr vormittags
Die mangelnde Beteiligung der Jüngeren an der politischen Willensbildung mag auf den ersten Blick ihrem Desinteresse geschuldet sein, vielleicht ist sie aber auch Ergebnis der Realisierung der eigenen “demografischen Unterlegenheit” und der Erkenntnis, dass der politische Spielraum angesichts von Sachzwängen in der globalisierten Welt- und Werteordnung gegen Null geht. Gleiches gilt für die Mitgliedschaft in Parteien. Bei der Rangelei um Posten und Listenplätze spielt Loyalität unter Netzwerkern - also Klüngel- die Hauptrolle, dabei bleiben politische Inhalte für gewöhnlich auf der Strecke. Ein saure-Gurken-Thema ist das ganze IMHO nicht, eher ein hochbrisantes, dessen Bearbeitung angesichts der unpopulären Konsequenzen (Obligatorischer Zuverdienst bis ins hohe Alter, Grundrente, Begrenzung der Auszahlungsdauer) auf die lange Bank geschoben wird. Und wenn ein “Politrentner” die Partei der Jüngeren ergreifen muss, zeigt das eindrucksvoll, wie weit die Vergreisung bereits fortgeschritten ist.
Übrigens: Nette Fotos vom Buran
Freitag, 11. April 2008 um 11:53 Uhr vormittags
die meisten menschen (übrigens egal welchen alters), sagen, wenn sie gefragt werden, warum sie sich nicht engagieren, zumindest hinter vorgehaltener hand, dass es ihnen entweder zu anstrengend ist, ihnen die zeit fehlt oder das es sie generell nicht interessiert. klar, die ochsentour ist hart, aber die einflussmöglichkeiten wenigstens vor ort sind dann doch größer, als gemeinhin vermutet wird. nebenher fehlt es nicht nur den politischen parteien an menschen, die willens und fähig sind, sondern auch sozialen und caritativen einrichtungen. die freizeit als zeit ohne verpflichtungen hat heute einen sehr hohen stellenwert, sehr zu lasten ehrenamtlicher tätigkeit - und das wird, so befürchte ich, irgendwann nach hinten losgehen.
ansonsten gebe ich dir voll und ganz recht: das thema *ist* hochbrisant, *hat* unpopuläre konsequenzen und *müsste dringend* angepackt werden. aber wird es denn wirklich angepackt? oder kann man derzeit nur einen medialen wirbelwind beobachten, auf den einzelne politiker zur profilierung aufspringen und der in absehbarer zeit ohne wirklich tiefgreifende änderungen gezeitigt zu haben, wieder in der versenkung verschwinden wird? ich befürchte: letzteres. notwendig wäre jetzt das, was schiller in den siebzigern eine konzertierte aktion nannte. stattdessen werden - zum wiederholten mal - altbekannte argumente ausgetauscht (s. leserbriefe im heutigen kölner stadtanzeiger) und die fronten zwischen den jungen nichtsnutzen und den ausbeuterischen rentnern weiter vertieft. und das nutzt *eigentlich* niemandem.
danke für die blumen!
Mittwoch, 2. Juli 2008 um 4:53 Uhr vormittags
[...] Eine kurze Diskussion findet sich zu dem Thema bei Blogghead’s Blog. [...]