sitzen (mehr von mir II)

tagsüber sitzung zur aufstellung des nächstjährigen haushalts, abends sitzung zu themen unseres dorfes - dazwischen ein hastiges abendessen: so viel gebratene nudeln, gebratener reis, rindfleisch gong bao, thai-gemüse-curry und frühlingsrollen, wie für etwas mehr als fünf euro auf einen teller passen. die abendveranstaltung war ein rein privates vergnügen, die am vormittag dienstlich; die umstände waren identisch: geschäftsmäßig gekleidete menschen in gesichtslosen räumen, gebeugt über papieren. glücklicherweise kann mich mir noch einreden, dass diese freizeitveranstaltung auch als fortbildung zu themen wie moderation, gesprächsführung und mitarbeitermotivation diente. aber die einstmals deutliche grenze zwischen berufs- und privatleben, arbeit und freizeit verschwimmt immer mehr. und sie verschwimmt nicht etwa, weil ich altruistisch genug wäre, etwas zu tun, für das sich sonst niemand findet - nein: sie verschwimmt, weil ich es so will. nur am resopaltisch beim schnellchinesen, beim hastigen einnehmen eines lieblosen abendessens, hätte ich mich fragen können, ob es das wert ist. habe ich aber nicht; ich habe lieber den moment der ruhe genossen - und den blick auf den dorfplatz im regen.

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